Lebensbalance
Deine Lebensbalance – Dein Frühwarnsystem
Stell Dir fünf Zahnräder vor. Greift jedes Zahnrad sauber ineinander, läuft das Uhrwerk ruhig und zuverlässig. Beginnt sich jedoch eines immer schneller zu drehen, geraten nach und nach auch alle anderen aus dem Takt.
Genau so habe ich mein eigenes Leben viele Jahre erlebt. Damals hätte ich mir ein Frühwarnsystem gewünscht. Eines, das mir rechtzeitig zeigt, wenn ich gerade beginne, mein Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen. Heute weiß ich: Es braucht keine Perfektion, sondern Aufmerksamkeit. Ich selbst bin früher immer wieder an den Punkt gekommen, an dem etwas schief lief. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es immer dann passierte, wenn ich mich voll und ganz einem einzigen Thema gewidmet habe. Meine Neugier und mein starker Wille, neue Dinge auszuprobieren, haben immer wieder dazu geführt, dass ich in einem Lebensbereich überdreht habe. Besonders bewusst wurde mir das während meiner Weiterbildungen in der Abendschule. Drei Jahre lang widmete ich fast meine gesamte Energie meiner beruflichen Entwicklung. Das Problem war dabei nicht, dass ich mich meiner Karriere gewidmet habe. Das Problem war, dass ich alles andere vernachlässigt habe. Ich nahm mir kaum noch Zeit für Freunde und Familie, stellte meine Gesundheit hinten an und verlor immer mehr die Balance. Erst als vieles bereits gekippt war, wurde mir bewusst, was eigentlich passiert war. Rückblickend war diese Zeit einer der größten Wendepunkte meines Lebens, beruflich wie privat.
Es geht nicht um mehr Zeit, sondern um mehr BewusstseinWir denken oft, wir hätten zu wenig Zeit und 24 Stunden am Tag würden einfach nicht ausreichen. Doch seien wir ehrlich: Erfolgreiche Menschen haben genauso viele Stunden wie wir. Der Unterschied ist nicht die Zeit. Der Unterschied ist der bewusste Umgang mit ihr. Viele planen ihre Termine und Aufgaben. Doch nur wenige planen bewusst ihr gesamtes Leben. Genau das hat mein Denken verändert. Denn wenn wir jedem Lebensbereich regelmäßig Aufmerksamkeit schenken, gerät unser Leben nicht so schnell aus dem Gleichgewicht. Dabei geht es nicht darum, jedem Bereich gleich viel Zeit zu schenken. Manchmal braucht der Beruf mehr Aufmerksamkeit. Manchmal die Gesundheit und manchmal die Familie.
Entscheidend ist nicht die Verteilung, sondern das Bewusstsein.
Nicht unbewusst in einen Bereich hineinzurutschen und dabei die anderen aus den Augen zu verlieren. Wir glauben oft, dass Probleme nur den Lebensbereich betreffen, in dem sie entstehen. Doch in Wirklichkeit beeinflusst ein Bereich nach und nach alle anderen. Nehmen wir einmal den Beruf. Du bist dort schon seit Monaten unglücklich. Vielleicht fühlst Du Dich nicht wertgeschätzt, bist ständig gestresst oder gehst jeden Morgen mit Bauchschmerzen zur Arbeit. Abends kommst Du erschöpft nach Hause. Kleinigkeiten, die Dich früher nicht gestört hätten, bringen Dich plötzlich auf die Palme. Du reagierst gereizter auf Deinen Partner oder Deine Kinder. Zuhause entstehen Spannungen. Triffst Du Dich anschließend mit Freunden, kreisen Deine Gespräche fast nur noch um Deinen Frust. Irgendwann merken auch sie, dass jedes Treffen nur noch aus Jammern besteht. Manche ziehen sich langsam zurück. Und plötzlich scheint es, als würde in Deinem Leben einfach alles schieflaufen. Dabei hat es vielleicht nur in einem einzigen Lebensbereich begonnen. Genau deshalb betrachte ich mein Leben heute nicht mehr als einzelne Baustellen, sondern als ein zusammenhängendes System. Gerät ein Bereich dauerhaft aus dem Gleichgewicht, beginnt er früher oder später auch die anderen zu beeinflussen. Und genau deshalb glaube ich heute: Nicht ein einzelner Lebensbereich macht uns glücklich. Erst ihr Zusammenspiel macht unser Leben lebenswert.
Die fünf Lebensbereiche
Während einer Weiterbildung zur Persönlichkeitsentwicklung habe ich ein Modell kennengelernt, das mein Denken nachhaltig verändert hat. Es unterteilt unser Leben in fünf Bereiche:
GesundheitHier geht es nicht nur um Sport, sondern auch um guten Schlaf, gesunde Ernährung, innere Ruhe und einen gesunden Umgang mit Stress. Dein körperliches und mentales Wohlbefinden bildet die Grundlage für alles andere in Deinem Leben.
Beruf
Hier geht es nicht nur ums Geldverdienen, sondern um Verantwortung, Entwicklung und einen Arbeitsalltag, der zu Dir passt. Das, womit Du einen großen Teil Deiner Lebenszeit verbringst und Deine Fähigkeiten einsetzt.
Beziehungen
Hier geht es nicht nur um die Beziehung deiner Partnerschaft, sondern auch um Familie, Freunde und gemeinsame Zeit. Die Qualität Deiner Verbindungen zu den Menschen, die Dir wichtig sind.
Persönliche Entwicklung
Hierbei geht es um alles, was Dich wachsen lässt. Dein Business. Deine Projekte. Deine Träume.
Es ist der Bereich, in dem Du Dich persönlich und beruflich weiterentwickelst.
Sinn & Erfüllung
Hier geht es um Dein WARUM. Warum stehst Du morgens auf? Was erfüllt Dich wirklich und wofür möchtest Du einmal stehen? Es ist der Lebensbereich, der Deinem Leben Bedeutung gibt.
Diese fünf Lebensbereiche passen sehr gut zu mir und meinen Werten. Natürlich gibt es auch andere Modelle. Doch dieses hat mich von Anfang an überzeugt und begleitet mich bis heute.
Mein persönliches Frühwarnsystem
Aus diesem Modell habe ich mir im Laufe der Zeit mein eigenes System aufgebaut. Und genau hier unterscheidet sich mein Ansatz von vielen anderen. Viele Methoden geben uns noch mehr Aufgaben. Noch mehr Listen und noch mehr To-dos. Ich wollte genau das Gegenteil. Ich wollte nichts Neues hinzufügen. Ich wollte das ordnen, was bereits da ist. Genau das hat für mich den Unterschied gemacht. Ich sortiere das, was bereits in meinem Leben vorhanden ist. Dadurch erkenne ich viel früher, wenn ein Lebensbereich beginnt, alle anderen zu verdrängen. Ich höre sozusagen das erste Knirschen der Zahnräder. Und genau dann kann ich nachjustieren. Nicht erst dann, wenn das ganze Uhrwerk stehen bleibt. Eine kurze, regelmäßige Reflexion reicht dafür oft schon aus. Das bedeutet nicht, dass mein Leben heute perfekt ist. Es bedeutet nur, dass ich früher erkenne, wenn etwas aus der Balance gerät. Ich habe zum Beispiel feste Routinen für den Bereich Gesundheit. Und mit meinem Partner spreche ich regelmäßig darüber, wann wir bewusst Zeit miteinander verbringen möchten. Und genau in diesen Gesprächen bekomme ich manchmal den entscheidenden Hinweis. Wenn ich wieder einmal zu tief in einem Projekt stecke, dann sagt er mir das. Früher hätte ich das wahrscheinlich als Kritik verstanden. Heute sehe ich darin mein persönliches Frühwarnsystem. Denn Balance entsteht nicht nur durch den Blick auf mich selbst, sondern auch durch den ehrlichen Austausch mit den Menschen, die mir wichtig sind.
Nimm Dir einen Moment Zeit
Vielleicht helfen Dir diese Fragen bei Deiner eigenen Reflexion:
• Welcher Lebensbereich bekommt gerade fast Deine gesamte Aufmerksamkeit?
• Welcher kommt seit Wochen zu kurz?
• Welcher Bereich gibt Dir Kraft?
• Welcher raubt Dir gerade Energie?
• Wann hast Du zuletzt bewusst innegehalten?
Zum Schluss möchte ich Dir noch etwas mitgeben
Früher hatte ich bei Pausen oft ein schlechtes Gewissen. Heute weiß ich: Ruhe ist keine verlorene Zeit. Sie ist die Voraussetzung dafür, langfristig gesund sowie ausgeglichen zu sein und auch für andere da sein zu können. Wir sind oft so sehr damit beschäftigt, ständig etwas zu verbessern, dass wir vergessen, einfach einmal zu leben. Doch genau das gehört genauso dazu. Selbstfürsorge ist kein Egoismus. Sie ist die Grundlage dafür, dass wir dauerhaft für andere da sein können. Balance bedeutet nicht, jedem Lebensbereich gleich viel Zeit zu schenken. Balance bedeutet, rechtzeitig zu erkennen, wenn einer beginnt, alle anderen zu verdrängen.
Und wie Du Deine Balance nutzt, um Ziele zu setzen, die wirklich zu Dir passen und die Du langfristig erreichst,
zeige ich Dir im nächsten Kapitel.